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Lernen

Das Verhaltensrepertoire einer Katze besteht aus angeborenen und erworbenen Verhaltensweisen, der Großteil ihres Verhaltens wird von einem angeborenen "Rahmen" gebildet, der durch Lernprozesse erweitert oder verändert wurde.

Katze in Transportkorb

Angeborene Verhaltensweisen sind unwillkürlich, starr und unveränderlich. Sie laufen immer und genau dann ab, wenn sie gebraucht werden, z.B. Reflexe. Diese Reaktionen sind extrem schnell, die meisten schützen vor Schaden aller Art, z.B. der Lidschlussreflex. Auch komplexe Bewegungen wie Laufen, Sitzen, Klettern, Fauchen, sind angeboren, werden aber geübt und die jeweils passenden Situationen erlernt.

Viele lebenswichtige Informationen sind aber zu variabel, um sie in den Genen zu fixieren. Die wichtigsten erwerben Katzen in ihren ersten Lebenswochen innerhalb sensibler Phasen durch prägungsähnliche Vorgänge. Dies betrifft auch die Bedeutung von Sozialpartnern, die im Zuge der Sozialisation erworben wird.

Erfahrungen sind lebenswichtig

Durch Lernen erworbene Verhaltensweisen sind wesentlich flexibler als angeborene, der Lernende kann sein Verhalten an völlig unterschiedliche Bedingungen anpassen. Die Informationen werden teilweise sehr schnell oder innerhalb einer überschaubaren Zeit erlernt, sind aber auch änder- und umkehrbar. Säugetiere sind zum Lernen geradezu vorbestimmt. Das Erwerben von Erfahrungen ist so wichtig, dass z.B. ein inneres Belohnungssystem (z.B. Dopamin) zur Unterstützung existiert und es aktiv durch Erkunden, Neugier und Spiel gefördert wird. Katzen und andere Säugetiere, die keine Erfahrungen sammeln können, verkümmern.

Wie wird gelernt

Lernen ist ein sehr umfangreicher Themenkomplex, mit dem sehr unterschiedliche Vorgänge beschrieben werden. Es gibt auch heute noch keine eindeutige Definition, sondern nur verschiedene Theorien mit verschiedenen Schwerpunkten, etwa Prägung und höhere Lernleistungen, z.B. logisches Denken. Habituation (Gewöhnung) sowie klassische und operante Konditionierung werden auch in der Verhaltenstherapie eingesetzt, z.B. bei der systematischen Desensibilisierung und Gegenkonditionierung. 

Habituation 

Sie ist eine der einfachsten Lernformen, auch Gewöhnung genannt. Dabei reagiert eine Katze immer weniger und seltener, wenn ein bestimmter Reiz immer wieder auftritt, sich aber als unwichtig zeigt. Zum Beispiel reagieren viele Katzen auf den Straßenverkehr vor dem Fenster beim ersten Anblick mit Furcht. Weil die vorbeifahrenden Autos aber keine Konsequenzen nach sich ziehen, und das immer wieder, lassen die Reaktionen nach, bis sie schließlich ganz ausbleiben. Dadurch kann sich die Katze viele unnütze Reaktionen und damit Energie sparen. Ein LKW oder Bagger wird sie aber wieder in Aufregung versetzen, die Gewöhnung ist reizspezifisch.

Konditionierungen

Andere Lernformen beschreiben das so genannte assoziative Lernen, durch das die Katze zwei Ereignisse miteinander verknüpft.

  • Das sind entweder zwei Eindrücke, z.B. ein Geräusch und ein vorgelegtes Leckerli, wie beim Clickertraining. Diese positiven Ereignisse führen dazu, dass die Katze nach dem Click ein Leckerli erwartet und den Mensch anschaut. Ein negatives Beispiel ist der Anblick des Transportkorbes und das Einsperren darin. Durch diese unangenehme Folge fürchtet sich die Katze später vor dem Korb und meidet ihn. Diese Art der Verknüpfung nennt man klassische Konditionierung.
  • Oder es ist eine bestimmte Verhaltensweise und ein folgendes Ereignis, z.B. Maunzen (Miauen) und ein angebotenes Leckerli. Nach einigen Wiederholungen wird die Katze häufiger miauen, zumindest wenn sie hungrig ist. Ein negatives Beispiel ist Miauen und keinerlei Aufmerksamkeit. Im Laufe der Zeit wird die Katze ihre Ansprache aufgeben, weil sie nicht den erwarteten Erfolg liefert (negative Strafe). Beides bezeichnet man als operante Konditionierung.

Beides können Katzen sehr gut. Sie lernen auch, wenn wir es nicht geplant haben. Deshalb ist das Konzept Lernen aus guten und schlechten Erfahrungen oft hilfreicher:

  • Eindrücke, die angenehme Erfahrungen ankündigen, versetzen sie in eine positive Erwartungshaltung, z.B. Geräusche der Futtervorbereitung, und sie nähert sich.
  • Verhaltensweisen, die zu einem Erfolg verhelfen, zeigt sie in ähnlichen Situationen häufiger als andere Handlungen, z.B. Betteln.
  • Eindrücke, die unangenehme Erfahrungen ankündigen, versetzen sie in eine negative Erwartungshaltung, z.B. Anblick des Transportkorbes, und sie flieht.
  • Verhaltensweisen, die sich als nicht erfolgreich oder schädlich erwiesen haben, zeigt sie in ähnlichen Situationen seltener, z.B. Annäherung an einen unfreundlichen Hund.

Wann wird gelernt

Katzen lernen ständig und ihr Leben lang – abgesehen von Altersdemenz, von der leider auch einige Katzen betroffen sind. Sie lernen, wer freundlich ist und wer nicht, wo sie sicher ist und wo nicht, ... welches Verhalten sich lohnt und welches nicht – und das kann sich immer wieder ändern. Und deshalb probieren v.a. intelligente Katzen gelegentlich aus, z.B. ob sie auch auf anderem Weg zum Erfolg kommen.

Was wird gelernt

Alles, was der Katze wichtig ist, sehr eindrucksvoll ist oder sehr oft passiert. Es muss allerdings zu ihrer Lerndisposition bzw. Biologie passen, d.h. das Hüten einer Mäuseherde ist kaum zu trainieren, Warten und "Pfotenarbeit" liegt ihnen weitaus näher.

Wenn man weiß, wie Katzen lernen, ist es auch möglich, sie zu erziehen, im Sinne von Vorbereitung auf das Leben.

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